Corona und unsere Immunabwehr

Die Immunantwort - ein fein abgestimmtes Konzert

Unser Immunsystem ist ein komplexes und phantastisches Wunderwerk. Jeder, der sich damit befasst, ist beeindruckt von der Intelligenz und Komplexität, mit der sich unser Körper vor Pathogenen (krankmachenden Stoffen) schützt. Ich gebe zu, dass ich es bei weitem noch nicht durchdrungen habe. Ich habe ein paar Quellen gefunden, die die Arbeit des Immunsystems gut illustrieren und das Verständnis verbessern. Ich meine, dass wir, je besser wir etwas verstehen, desto besser entscheiden können, was wir gut für uns ist.

Wir unterscheiden eine unspezifische und spezifische Immunabwehr: unspezifisch funktionieren z.B. die sogenannten Fresszellen (Makrophagen), welche alles, was körperfremd ist, einfach „fressen“ (phagozytieren) und verdauen; spezifische Antikörper, die genau auf einen bestimmten Virus oder Bakterium passen, werden nach Kontakt mit denselben von den sogenannten B-Lymphozyten gebildet. Nach dem Kontakt behalten wir in sogenannten Gedächtniszellen das Wissen parat und können bei wiederholtem Kontakt, wieder Antikörper bilden. Wir bilden also eine Immunität aus.

Wir unterscheiden bei der Immunabwehr außerdem die ‚humorale‘ Abwehr, die über Lymphe und Blut abläuft, und die ‚zelluläre‘ Abwehr auf der Zellebene. 

Zur humoralen Abwehr gehören die Lymphozyten der spezifischen Immunabwehr, die die Antikörper (z.B. IgG) bilden und das unspezifische Komplementsystem. Dieses Komplementsystem „komplementiert“ die Arbeit der Antikörper und Fresszellen. Es besteht aus einer Reihe von Plasmaproteinen, die z.B. mit Viren infizierter Zellen kenntlich machen, damit diese dann besser gefunden und gefressen werden. 

Die zelluläre Abwehr findet in der Körperzelle statt. Dazu gehört das spezifische T-Zell-System und das unspezifische Monozyten-Makrophagensystem (die sogenannten Fresszellen, wie z.B. auch Granulozyten, die wir in einer Wunde als Eiter sehen).

In diesem Video, der auf br.de zu finden ist, wird die Reaktion des Immunsystems ganz anschaulich erklärt.

 

Unsere Immunantwort auf Corona

In den letzten 12 Monaten wurde weltweit und vernetzt geforscht, wie das Immunsystem auf den neuartigen Corona-Virus reagiert. Ganz nebenbei ist so eine Zusammenarbeit vorher noch nicht vorgekommen und auch das hat dazu geführt, dass man schneller bei der Impfstoffentwicklung war (neben der wirtschaftlichen und der politisch-administrativen Unterstützung).

Wie zu erwarten reagiert der Körper über sein spezifisches Immunsystem mit der Ausbildung von Coronavirus spezifischen Antikörpern. Auf der Seite des Berliner IMD Labors gibt es eine gute Aufschlüsselung der Immunantwort in Bezug auf die Antikörperbildung. Wie lange die Antikörper im Blut nachweisbar sind, ist noch nicht klar. Da die Antikörper jedoch aus sogenannten Gedächtniszellen gebildet werden (s.o.), heißt ein niedriger bzw. nicht vorhandener Antikörperspiegel nicht zwingend, dass der Körper nicht schon Kontakt mit dem Coronavirus hatte und so eine gewisse Immunität aufgebaut hat.

Es gibt inzwischen Antikörpertest auf verschiedene Coronavirus-Bestandteile. Man unterscheidet 4 IgG Unterklassen: eine davon bezieht sich auf den sogenannten ‚Spike‘ des Corona-Virus, mit Hilfe dessen, das Virus in die Körperzelle eintritt.  „Schützend sind wahrscheinlich nur Antikörper, die an das Spike-Protein binden und so den Zelleintritt und die Vermehrung des Virus verhindern.“ (Dr. Schneiderhan-Marra vom NMI Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut an der Universität Tübingen in dem Artikel des Ärzteblattes).

T-Zellen

Wie oben ausgeführt, reagiert der Organismus auch mit einer spezifischen zellulären Antwort, den T-Zellen. An dieser T-Zellenantwort könnte es unter Umständen liegen, dass es bei Älteren und Vorerkrankten zu schweren Covid-Verläufen kommt. Je älter und kränker wir werden, desto mehr T-Zellen sind vorhanden. Aber anscheinend funktionieren diese dann nicht mehr so, wie sie sollen und fördern somit nicht die Immunabwehr, sondern bremsen sie aus. Wen diese Zusammenhänge genauer interessieren, kann dies hier in einer Veröffentlichung der Charité gut verständlich nachlesen.

Vielleicht habe ich die Lust geweckt, ein bisschen in der Immunologie zu stöbern. Es lohnt sich aus meiner Sicht zu recherchieren. Man muss ja nicht gleich zum Hobby-Virologen werden. Ich versuche dabei, möglichst auf die Originalstudien zuzugreifen. Wenn wir irgendwo lesen, „Studien haben gezeigt …“ dann lieber gleich zu den Studien gehen, als einer eventuell missverständliche Zusammenfassung zu folgen.