Kohärenz spüren – im Körper, im Atem, im Herzen
Wohlbefinden hat mit 'Stimmigkeit' zu tun
Im Salutogenese-Modell von Anton Antonowsky beschreibt das Kohärenzgefühl als einen Zustand, in dem wir die Welt als verstehbar, handhabbar und sinnvoll zu erleben. Dieses Gefühl von Orientierung entsteht jedoch nicht nur im Denken – es ist zutiefst körperlich. Kohärenz wird erlebbar, wenn innerlich etwas „zusammenpasst“, wenn Abläufe in uns geordnet und stimmig sind.
Genau hier knüpft Yoga an:
Im atemzentrierten Üben entsteht praktische Kohärenz: Wir koordinieren die Bewegung von Rumpf und Gliedmaßen mit der Bewegung des Zwerchfells und anderer Atemmuskeln. Atem und Körper folgen dann einem gemeinsamen Rhythmus. Selbst wenn Bewegungen eingeschränkt sind oder Krankheit im Raum steht, kann dieser innere Bewegungsfluss stimmig sein – ein leises, aber kraftvolles Gefühl von „So passt es“.
Sukha - ein Gefühl wie ein gut laufendes Rad
Auf dieser Ebene erfahren wir ein Gefühl, das im Yoga Sukha genannt wird. Der Begriff ‘Sukha’ setzt sich aus zwei Wortteilen zusammen:
• su- = gut, angenehm, passend, richtig, leicht
• -kha = Loch, Öffnung, Achse, Nabe eines Rades
Ursprünglich beschrieb Sukha also ein „gut laufendes Rad“ – ein Rad, dessen Achse rund, leichtgängig und reibungslos ist. Alles passt zusammen, es gibt keinen Widerstand. Aus dieser konkreten Bildwelt entwickelte sich die übertragene Bedeutung: ein Zustand, in dem sich etwas ohne Reibung entfaltet und der sich ‚weit‘ anfühlt und mit Leichtigkeit, Wohlbefinden, Stimmigkeit assoziiert ist. Das Gegenteil – Dukkha – zeigt sich als gefühlsmäßig als Enge, Reibung, Widerstand und wird mit Leiden übersetzt. Alle Lebewesen suchen Sukha und wollen Dukkha vermeiden. Wenn in unserem Üben Atem- und Körperbewegungen kohärent werden, reagiert unser Nervensystem meist schnell: Der Vagus wird aktiviert und ein Gefühl von Sicherheit entsteht bzw. wird möglich.
„Das, was ich gerade übe, passt und tut mir gut. Ich tue mir gut.“
Wenn wir in schwierigen Situationen sind oder vor Entscheidungen stehen, kann uns die Wahrnehmung nach innen und die spürbare Unterscheidung von Sukha und Dukkha eine Orientierung geben.
Eine Handlung oder Umfeld, die ein Gefühl von Weite und Leichtigkeit im Brustraum unterstützen, fühlen sich stimmig und ‚richtig‘ an. Umgekehrt zeigen Gefühle der Enge und Widerstand im Herzen an, dass es in dieser Situation noch Klärungsbedarf gibt. Kohärenz können wir also bewusst erlebbar machen über unser Üben. Unsere Wahrnehmung nach innen wird schrittweise geschult und verfeinert.
Das macht unsere Yogapraxis aus - wir lernen, unsere Antennen nach innen auszufahren, immer feiner wahrzunehmen und einzuordnen, was wir spüren.
Om Shanti Shanti Shanti
